IGeL-Leistungen Frauenarzt: GOÄ-Ziffern & Abrechnung
IGeL-Leistungen in der Gynäkologie: Ultraschall, HPV-Test, Brustultraschall & mehr. GOÄ-Ziffern, Preise und Abrechnungstipps für Frauenärzte.
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) spielen in der gynäkologischen Praxis eine zentrale Rolle. Leistungen wie der vaginale Ultraschall, der HPV-Test oder der Brustultraschall werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht oder nur eingeschränkt übernommen — können aber nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) als Selbstzahlerleistungen abgerechnet werden. Dieser Beitrag zeigt, welche IGeL in der Gynäkologie besonders relevant sind, welche GOÄ-Ziffern gelten und worauf Sie bei Aufklärung, Preisgestaltung und Dokumentation achten müssen.
Hinweis: Alle Beträge basieren auf dem aktuellen Punktwert von 5,82873 Cent. Stand 2026 — Änderungen vorbehalten.
Die wichtigsten IGeL-Leistungen beim Frauenarzt
Die folgenden IGeL-Leistungen gehören zum Standardangebot vieler gynäkologischer Praxen:
- Vaginaler Ultraschall (außerhalb Vorsorge) — Sonographische Darstellung der Beckenorgane (Uterus, Ovarien) über eine Vaginalsonde. Außerhalb der gesetzlichen Krebsvorsorge eine der häufigsten IGeL beim Frauenarzt.
- Brustultraschall (Mammasonographie) — Ultraschalluntersuchung beider Brüste zur Früherkennung von Veränderungen. Ergänzung oder Alternative zur Mammographie, insbesondere bei dichtem Brustgewebe.
- HPV-Test (als Einzelleistung) — Molekularbiologischer Nachweis humaner Papillomviren. Seit 2020 Teil der GKV-Vorsorge ab 35 Jahren (alle 3 Jahre), als Einzelleistung oder häufigere Testung jedoch IGeL.
- Dünnschichtzytologie (Thin-Prep) — Verbessertes Abstrichverfahren mit höherer Sensitivität als der konventionelle Pap-Abstrich. Wird von der GKV nicht übernommen.
- Erweiterte Krebsvorsorge — Kombination aus vaginalem Ultraschall, erweitertem Abstrich und ggf. HPV-Test über den GKV-Leistungskatalog hinaus.
- Blasenkrebs-Schnelltest (NMP22) — Urinbasierter Marker-Test zur Früherkennung von Blasenkrebs. Wird bei Risikopatientinnen angeboten.
- Osteoporose-Screening — Knochendichtemessung zur Früherkennung von Osteoporose, insbesondere in und nach der Menopause.
GOÄ-Ziffern für gynäkologische IGeL
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten GOÄ-Ziffern für IGeL-Leistungen in der Gynäkologie:
| IGeL-Leistung | GOÄ-Ziffer | Art | Gebühr 1-fach | Gebühr Regelsatz |
|---|---|---|---|---|
| Vaginaler Ultraschall | 410 | Technisch | 11,66 € | 20,98 € (1,8×) |
| Mammasonographie (bds.) | 418 | Technisch | 17,49 € | 31,48 € (1,8×) |
| HPV-Test (PCR) | 4782 | Labor | 29,14 € | 33,51 € (1,15×) |
Technische vs. Laborleistungen: Sonographische Untersuchungen (GOÄ 410, 418) sind technische Leistungen mit einem Regelhöchstsatz von 1,8-fach und einem Höchstsatz von 2,5-fach. Laborleistungen wie der HPV-Test haben den engsten Steigerungsrahmen mit einem Regelhöchstsatz von 1,15-fach.
Steigerungssätze für IGeL
Für die Preisgestaltung Ihrer IGeL-Leistungen gelten die allgemeinen Regeln der GOÄ:
| Ärztliche Leistungen (z.B. Beratung) | Technische Leistungen (z.B. Ultraschall) | Laborleistungen (z.B. HPV-Test) | |
|---|---|---|---|
| Mindestsatz | 1,0-fach | 1,0-fach | 1,0-fach |
| Regelhöchstsatz | 2,3-fach | 1,8-fach | 1,15-fach |
| Höchstsatz | 3,5-fach | 2,5-fach | 1,3-fach |
| Begründung ab | > 2,3-fach | > 1,8-fach | > 1,15-fach |
Die meisten Praxen rechnen gynäkologische IGeL-Leistungen beim Regelhöchstsatz oder knapp darunter ab. Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz hinaus erfordert eine individuelle, patientenbezogene Begründung auf der Rechnung.
Wirtschaftlichkeit der IGeL in der Gynäkologie
Die Wirtschaftlichkeit einer IGeL hängt von Zeitaufwand, Gerätekosten, Personalkosten und Patientennachfrage ab.
Vaginaler Ultraschall
Der vaginale Ultraschall außerhalb der Vorsorge ist die meistverkaufte IGeL in der gynäkologischen Praxis. Der Zeitaufwand ist gering (ca. 5–10 Minuten), die Gerätekosten durch das ohnehin vorhandene Ultraschallgerät überschaubar und die Patientinnennachfrage hoch. Die Vergütung liegt je nach Leistungsumfang bei rund 30–45 € pro Untersuchung (Beratung + Ultraschall).
Bewertung: Hohe Wirtschaftlichkeit durch geringe Zusatzkosten und große Nachfrage.
Brustultraschall (Mammasonographie)
Die Mammasonographie bietet einen höheren Erlös pro Untersuchung und wird insbesondere von Patientinnen mit dichtem Brustgewebe oder familiärer Belastung nachgefragt. Der Zeitaufwand liegt bei ca. 10–15 Minuten.
Bewertung: Gute Wirtschaftlichkeit mit hoher Patientenakzeptanz, insbesondere bei Frauen unter 50 Jahren (vor dem Mammographie-Screening).
HPV-Test und Dünnschichtzytologie
Der HPV-Test als Einzelleistung (außerhalb der GKV-Vorsorge ab 35) und die Dünnschichtzytologie sind ergänzende IGeL mit geringem Zeitaufwand. Die Laborkosten werden in der Regel an ein Fremdlabor delegiert.
Bewertung: Gute Ergänzungsleistung mit geringem Aufwand. Erhöht den Gesamterlös pro Vorsorgetermin.
Aufklärung und rechtliche Anforderungen
Die IGeL-Abrechnung unterliegt besonderen rechtlichen Anforderungen. Folgende Punkte müssen vor der Leistungserbringung erfüllt sein:
Schriftliche IGeL-Vereinbarung
Vor jeder IGeL-Leistung muss eine schriftliche Vereinbarung zwischen Ärztin/Arzt und Patientin geschlossen werden. Diese muss enthalten:
- Bezeichnung der geplanten Leistung
- Voraussichtliche Kosten (GOÄ-Ziffern und Steigerungssatz)
- Hinweis, dass die Leistung nicht von der GKV übernommen wird
- Unterschrift der Patientin
Trennung von GKV-Leistung und IGeL
Wenn am selben Behandlungstag sowohl GKV-Leistungen (z.B. gesetzliche Krebsvorsorge) als auch IGeL erbracht werden, muss klar dokumentiert sein, welche Leistungen als IGeL abgerechnet werden. Die gesetzliche Vorsorge darf nicht durch IGeL-Leistungen ersetzt oder eingeschränkt werden — die IGeL ergänzt die Kassenleistung.
Was gehört in die Aufklärung?
- Medizinischer Nutzen und Grenzen der Untersuchung
- Mögliche Alternativen (z.B. Mammographie statt Mammasonographie)
- Voraussichtliche Kosten
- Hinweis auf fehlende GKV-Erstattung
Preisgestaltung — Was dürfen Frauenärzte für IGeL verlangen?
Die GOÄ bildet den Rahmen für die Preisgestaltung. Innerhalb des Steigerungsrahmens (1,0-fach bis Höchstsatz) können Sie den Faktor frei wählen. Die Preise müssen sich jedoch an der GOÄ orientieren — Pauschalpreise ohne Bezug zu GOÄ-Ziffern sind nicht zulässig.
Typische Preise am Markt:
| IGeL-Leistung | Typische Preisspanne |
|---|---|
| Vaginaler Ultraschall | 30–45 € |
| Mammasonographie (bds.) | 45–75 € |
| HPV-Test | 40–70 € |
| Dünnschichtzytologie | 30–50 € |
| Erweiterte Krebsvorsorge (Kombi) | 80–120 € |
Die Preisspanne ergibt sich aus unterschiedlichen Steigerungssätzen und dem Umfang der kombinierten Leistungen (z.B. Beratung + Untersuchung + Ultraschall).
Häufige Fragen von Patientinnen
„Brauche ich den Ultraschall wirklich?"
Der vaginale Ultraschall außerhalb der Vorsorge ist eine Früherkennungsleistung, keine medizinisch notwendige Untersuchung. Er kann Veränderungen an Gebärmutter und Eierstöcken sichtbar machen, die bei der reinen Tastuntersuchung nicht auffallen. Ob die Untersuchung sinnvoll ist, hängt von individuellen Risikofaktoren ab.
Empfehlung für die Kommunikation: Erklären Sie sachlich den Nutzen und die Grenzen. Vermeiden Sie Angstmacherei, aber auch Verharmlosung. Patientinnen schätzen eine ehrliche, evidenzbasierte Einordnung.
„Warum zahlt die Kasse das nicht?"
Die GKV übernimmt Leistungen, die nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 12 SGB V) als ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich gelten. IGeL-Leistungen gehen über diesen Rahmen hinaus. Das bedeutet nicht, dass sie medizinisch sinnlos sind — sondern dass der Zusatznutzen über die Regelversorgung hinaus von der Patientin selbst getragen wird.
FAQ — Häufige Fragen zu IGeL-Leistungen beim Frauenarzt
Welche IGeL-Leistungen beim Frauenarzt sind sinnvoll?
Der Brustultraschall (Mammasonographie) und der erweiterte HPV-Test gehören zu den am häufigsten empfohlenen IGeL in der Gynäkologie. Der Brustultraschall ist insbesondere bei dichtem Brustgewebe eine sinnvolle Ergänzung zur Tastuntersuchung. Der HPV-Test bietet zusätzliche Sicherheit bei der Krebsvorsorge.
Was kostet ein Ultraschall beim Frauenarzt als IGeL?
Ein vaginaler Ultraschall als IGeL kostet in der Regel 30–45 € (Beratung + Untersuchung). Ein Brustultraschall (Mammasonographie beidseits) liegt bei 45–75 €. Die genauen Kosten hängen vom gewählten Steigerungssatz und den kombinierten GOÄ-Ziffern ab.
Welche GOÄ-Ziffer gilt für den vaginalen Ultraschall?
GOÄ 410 — die Ziffer umfasst die Ultraschalluntersuchung mittels B-Mode-Verfahren. Als technische Leistung beträgt der Regelhöchstsatz 1,8-fach.
Über den Autor
Redaktion GOÄ-Direkt
Fachredaktion für privatärztliche Abrechnung bei GOÄ-Direkt. Wir unterstützen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit praxisnahem Wissen rund um die GOÄ.